Der Kladovo-Transport

Menschen am Weg zu ihrer Exekution in Šabac (Jugoslawien), 1941. (Foto: Yad Vashem, 2572/30)

In den Ausbildungslagern des zionistischen Hechaluz in Niederösterreich befanden sich zu Kriegsbeginn im September 1939 noch mehrere Hundert Jugendliche und junge Erwachsene, die auf ihre Ausreise nach Palästina warteten. Unter Androhung einer Massendeportation nach Polen übte Adolf Eichmann in dieser Situation auf den Hechaluz Druck aus, seine Mitglieder außer Landes zu bringen. Daraufhin wurde in aller Eile ein Transport auf mehreren Donauschiffen organisiert, der im November 1939 Wien verließ. Als Ende Dezember 1939 die rumänischen Behörden dem Transport die Weiterfahrt verweigerten, kam dieser im jugoslawischen Donauhafen Kladvo zum Stillstand. Erst im September 1940 wurden die Flüchtlinge in die kleine Industriestadt Šabac verlegt. Von dort gelang Ende März 1941 – kurz vor dem Überfall des Deutschen Reiches auf Jugoslawien – etwa einem Fünftel der Flüchtlinge die Weiterreise nach Palästina. Die große Mehrheit wurde hingegen wenige Tage später von den deutschen Besatzern eingeholt. Im Oktober 1941 wurden alle Männer des Transportes, unter ihnen auch mehrere Wiedner1, von der Wehrmacht erschossen.2

Unter den Opfern dieses zweitägigen Massakers befand sich der 42-jährige Chemieputzer David Goldschmidt aus der Graf-Starhemberg-Gasse 9.3 Seine Frau Rosa Goldschmidt, die in Wien als Buchhalterin gearbeitet hatte, blieb vorerst mit den anderen Frauen und Kindern zurück, im Jänner 1942 deportierte die SS sie und weitere Frauen in das KZ Sajmiste bei Belgrad. Dort wurden sie in den folgenden Monaten in eigens umgebauten LKW durch Giftgas ermordet. Es sind lediglich die Namen zweier Überlebender bekannt.4

 MATTHIAS KAMLEITNER

 

  1. 1) Diese Feststellung basiert auf jenen recherchierten Personen, die ursprünglich auf der Wieden gelebt hatten und laut Opfersuche des DÖW in Zasavica ermordet wurden.
  2. 2) Vgl. Christopher Browning, Fateful Months. Essays on the Emergence oft he Final Solution, New York 1991 1991, 49-50; Walter Manoschek „Serbien ist Judenfrei“. Militärische Besatzungspolitik und Judenvernichtung in Serbien 1941/42, München 1995, 62.
  3. 3) Vgl. Archiv der IKG Wien, Bestand Jerusalem, A/W 2589, 14, AFB-Nr. 5263 (David Goldschmidt); DÖW, Opfersuche, URL: http://www.doew.at (Einträge David Goldschmidt, 29. 11. 2015).
  4. 4) Walter Manoschek „Serbien ist Judenfrei“. Militärische Besatzungspolitik und Judenvernichtung in Serbien 1941/42, München 1995, 181.

Schicksale